(e pluribus unum)

Daniel Fallenstein

  • 08:53:46 Uhr nachmittags on September 5, 2006 | # |

    Hatte nie gejobbt, nix gelernt, fast nur Glück im Leben
    Und davon vielleicht nie gleich etwas zurückgegeben
    (Eins Zwo - Unschuld vom Lande)

    Mein Vater (Jahrgang ‘41) wäre als Baby beinahe durch einen amerikanischen Bombenangriff im Kinderwagen gestorben. Nur eine Tür die glücklich fiel schützte ihn vor den Trümmern des Hauses, das über ihm zusammenbrach.

    Als kleiner Junge hatte er das Glück, in einer amerikanisch besetzten Region zu leben. Seine erste Banane bekam er, sinnigerweise, von einem GI geschenkt. Thüringen wurde aber nicht US-Besatzungszone, sondern dem übriggebliebenen Teil des Hitler-Stalin-Paktes zugeschlagen. Und so entschlossen sich meine Großeltern, ihr Leben und das Leben ihrer Kinder zu riskieren, um aus der DDR zu fliehen (jenem Staat, dessen Armee den preußischen Stechschritt nie abschaffte und Nazigeneräle ein zweites Mal die CSSR überfallen liess). Dass es überhaupt einen Zufluchtsort gab, verdankte meine Familie dem Land of the Free.

    Meine Mutter wurde 1953 in Polen geboren. Als stark untergewichtige Frühgeburt wurde sie zur Adoption frei- und vom angeblich überlegenen sozialistischen Gesundheitssystem aufgegeben. Es ist der energischen Initiative einer Frau zu verdanken, die für mich immer die beste Oma von allen sein wird, dass aus einer sprichwörtlichen Handvoll Mensch meine Mutter werden konnte. Als der dritte Mann meiner Adoptiv-Oma (meine Familiengeschichte ist -nun ja- ein schwieriges Thema) bei der polnischen Botschaft in Bukarest arbeitete, sahen sie ihre Chance gekommen. Sie setzten im Juni 1968 Kopf und Kragen auf’s Spiel, um dem Käfig zu entkommen den man Kommunismus nennt.

    In Österreich konnten sie nicht bleiben, da von dort immer wieder Flüchtlinge an die kommunistischen Diktaturen ausgeliefert wurden. Immerhin bekam sie in Wien ihre erste exotische Frucht zu essen – sinnigerweise eine Banane. Meine “Großeltern”, die kaum ein Wort Deutsch sprachen, arbeiteten hart bei einer Werft in Bremen – unter dem Schutz des Home of the Brave. Mein Stief-Adoptiv-Großvater hat heute eine kleine Fabrik in Australien.

    Meine Eltern begegneten und verliebten sich in Marburg beim Studium. Das alles ist heute ungleich komplizierter. Den USA und den auf Moskau gerichteten Atomraketen verdanke ich meine pure Existenz und die Möglichkeit Bananen zu essen, wann imer mir danach ist. Die Geschichte mit dem Bombenangrif ist angesichts dessen vergeben und vergessen.

    Eingereicht zum Karneval der deutsch-amerikanischen Beziehungen

     

Comments

  • Ramon Schack 2:43 Uhr nachmittags on September 10, 2006 | #

    Mein Kompliment!
    Ein sehr schöner Text.
    Weiter so.

  • Liberale Stimme Online : Zusammenfassung: Carnival of German-American Relations 12:53 Uhr nachmittags on September 25, 2006 | #

    [...] Daniel Fallenstein von e pluribus unum schildert in „Ausgerechnet Bananen“ (D) seine ganz persönliche Perspektive auf die USA: Sie ist von Dankbarkeit geprägt, denn ohne die Amerikaner hätte es ihn nicht gegeben, und er hätte wohl niemals Bananen essen können. [...]

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